Geschichte der Aktienmühle
Die Aktienmühle im Basler Quartier Klybeck, nahe Kleinhüningen, ist ein bedeutendes Zeugnis der industriellen Entwicklung der Stadt. Gegründet wurde sie 1894 von Wilhelm Abt-Bader, einem Müller, der bereits kleinere wasserbetriebene Mühlen in der Region besaß.
Um den technischen Fortschritt zu nutzen, ließ er an der Gärtnerstrasse eine moderne Mühle mit eigener Dampfturbine und einem Anschlussgleis zur Großherzoglich Badischen Eisenbahn errichten. Der Betrieb begann 1899 und war einer der ersten Industriebetriebe im Klybeckquartier.

Das Turbinenhaus der Aktienmühle hatte ursprünglich eine zentrale technische Funktion. Es diente zur Energieerzeugung, genauer gesagt zur Strom- bzw. Kraftgewinnung für den Betrieb der Mühle.
Heute hat das ehemalige Turbinenhaus eine neue Rolle. Es wurde in den letzten Jahren umgebaut und ist jetzt ein öffentlich zugängliches Restaurant und Eventlocation sowie ein sozialer Treffpunkt innerhalb des Areals der Aktienmühle.

Der Name „Aktienmühle“ stammt daher, dass das Unternehmen ursprünglich als Aktiengesellschaft gegründet wurde. Das war zur Zeit der Industrialisierung ein gängiges Modell, um größere Projekte wie den Bau und Betrieb einer Mühle durch die Beteiligung mehrerer Investoren zu finanzieren.
Kurz gesagt: Der Name ist ein Hinweis auf die organisatorisch-rechtliche Struktur der Firma zur Gründungszeit – eben eine Mühle, die einer Aktiengesellschaft gehörte.

Nach einem Brand wurde das Gebäude in seine heutige Form gebracht und war eine der grössten Mühlen der Schweiz mit bis zu 90 Tonnen Mehlproduktion pro Tag.
Das Mehl der Aktienmühle wurde an eine breite Palette von Abnehmern geliefert – sowohl lokal als auch überregional. Ein Teil des Mehls ging auch an Großküchen, Spitäler und Kantinen, wo täglich große Mengen an Grundnahrungsmitteln verarbeitet wurden. Über die Eisenbahnverbindung (Anschlussgleis zur Badischen Bahn) konnte das Mehl auch überregional verteilt oder sogar ins Ausland exportiert werden – z. B. nach Süddeutschland oder ins Elsass.

Die Mühle bot vielen Menschen in Basel Arbeit, besonders im damals industriell geprägten Klybeck- und Kleinhüningen-Quartier. Neben den Müllern arbeiteten dort Mechaniker, Lageristen, Bahnarbeiter und viele andere.
Ein Arbeitstag in der Aktienmühle begann früh und war von körperlicher Arbeit und Maschinenlärm geprägt. Die Mitarbeitenden arbeiteten in Schichten, überwachten den Mahlprozess, befüllten Mehlsäcke und sorgten für den reibungslosen Ablauf vom Getreideeingang bis zum Versand. Staubige Luft und monotone Abläufe prägten den oft anstrengenden Alltag.

Aufgrund des hohen Investitionsbedarfs für Modernisierungen bei gleichzeitig niedrigem Mehlpreis auf dem Markt war die Mühle nicht mehr konkurrenzfähig und verlor einen wichtigen Abnehmer, so dass der Verwaltungsrat im Jahr 2002 die Stilllegung beschloss.
Am 16. November 2003 war der allerletzte Produktionstag, danach wurden die Anlagen verkauft und abgebaut.

2010 erwarb die gemeinnützige Stiftung Habitat das inzwischen denkmalgeschützte Gebäude. Nach einer Phase kultureller Zwischennutzung wurde die Mühle zwischen 2012 und 2016 zu einem Werkstatthaus für Handwerksbetriebe umgebaut. Heute beherbergt das Areal über 50 Betriebe auf 3’600 m², darunter eine Kaffeerösterei, eine Gin-Brennerei, eine Lederwerkstatt und ein Textilatelier.
Video-Dokumentation über die Zwischennutzung

Der neu gestaltete Innenhof © Foto Werk / Stiftung Habitat
Im ehemaligen Turbinenhaus haben Christian Lorenz und Simone Fuchs eine Gastronomie eingerichtet. Das Restaurant Turbinenhaus / Aktienmühle bietet unter der Woche jeweils ein Mittagessen an. Jeden Donnerstag findet zudem ein thematischer Abend statt, an den Wochenenden steht das Restaurant für Bankett- und Gruppenanlässe zur Verfügung.
Zeitungsartikel zur Eröffnung:

Das Turbinenhaus vor dem Umbau 2015

Das Turbinenhaus nach dem Umbau 2016
Zeittafel:
1894
Gründung der Aktienmühle Basel AG durch Wilhelm Abt-Bader
1899
Eröffnung des Aktienmühle, erster Industriebetrieb im Quartier
Architekten: Wilhelm H. Fichter-Liebi und Rudolf Sandreuter
2003
Letzter Produktionstag und Stilllegung der Mühle
2010
Stiftung Habitat kauft das verwaiste Areal, Link zum Projekt
2010 -2016
Zwischennutzung Betrieben von Daniel Jansen und Marianne Tobler durch die Stiftung Habitat
2012–2016
Umbau
Architekten: Metron AG, Brugg, Link zum Projekt
Ingenieure: WMM Ingenieure AG, Link zum Projekt
Signaletik: Hauser, Schwarz Ltd. Link zum Projekt
Bauherrin: Stiftung Habitat, Link zum Projekt
2015-2017
Gestaltung Aussenraum
Landschaftsarchtitekten: Bryum GmbH, Basel, Link zum Projekt
2016
Eröffnung als Werkstatthaus und Restaurant Turbinenhaus
2019
Sanierung des Kopfbaus und somit Abschluss der Umbauarbeiten
2022
Präsentation des Städtebauliches Leitbild für das ehemalige Chemie-Areal in der Nachbarschaft zur Aktienmühle